Von Viable Projects auf Freitag, 03. Dezember 2021
Kategorie: Fachartikel

"F4P & OBM & OKR" – eine Systemanalyse

Der Markt bietet viele hervorragende Ansätze zur Hebung der Effektivität. Woraus bestehen die wesentlichen modernen Akteure rund um „Ziele" in der VUCA-Welt? Wo sind deren Vorteile zu sehen? Bestehen sogar Kombinationsoptionen?

AUSGANGSSITUATION

Lassen Sie uns zuerst die Ingredienzien für unser formidables Mahl sammeln und abgrenzen. Da haben wir:


ZIELE

In allen drei Werken finden sich immer wieder Ausführungen zu Zielen und Messkriterien. Unternehmen wollen hohe, gebündelte Wirkung ihrer Aktivitäten erreichen. Das ist sehr nachvollziehbar.

Die sich stellenden Fragen sind daher:


STRUKTUR und FOKUS von F4P

´Fit for purpose´ unterscheidet drei Komponenten der Services:


Angebote und Leistungen sollen passen. Also weder unter- noch überdimensioniert werden. Statt dauerhaft mit usprünglich erforderlichen Anwendungen (Arbeitshypo-thesen) bei der Ersterstellung zu leben, ist die Meinung der tatsächlichen Nutzer unerlässlich für den nachhaltigen Erfolg. Das ist nicht immer angenehm - aber von Bedeutung.
Die alles leitende Frage ist die daher die Klärung des ´Purposes´ – also des Sinns/Zwecks der Leistung. Relevant ist dafür nur die Sicht der Kunden beim Erleben der Services. F4P empfiehlt die Evaluierung in folgenden drei Kategorien:


Beim Servicedesign denken wir sinnvollerweise aus Sicht von Personas – also typischen Nutzerprofilen (idealerweise bei verschiedenen Anwendungsszenarien entlang von aussagekräftigen Zeiteinheiten wie Tagen, Wochen, usw.).


Die gleiche Persona kann in diesen unterschiedlichen Kontexten (Zeit, Kunden-gruppe, Nutzungsart, usw.) unterschiedliche Entscheidungen für die nominell gleiche Ware aufgrund eines unterschiedlichen Einsatzweckes treffen.


Zur Vereinfachung können Personas mit sehr ähnlichem bzw. gleichem Zweck im gleichen Kontext gruppiert werden. Das erworbene Wissen sollte systematisch gepflegt sowie genutzt (insbesondere von Entscheidungsträgern) werden.


Daher ist von grosser Bedeutung, etwaige auftretende Schmerzen oder den konkreten Bedarf bei diesen Einsätzen als Quelle der Definition des Zweckes für das Servicedesign heranzuziehen. Unterschiedliche Marktsegmente weisen oftmals sehr spezifische Fitnesskriterien auf.


Nur wenn alle drei eingangs beschriebenen Komponenten ausreichend zur Kundenzufriedenheit beitragen, gilt die Leistung als ´fit for purpose (zweckdienlich)´.​

Gewonnene Narrative beim Kundenkontakt im Zuge der Ausführung der Leistung und/oder F4P-Karten (absolute Zahlen geordnet in positive, neutrale und negative Sichten) unterstützen beim Herausfinden dieses Zwecks.

Der Rückfluss an Informationen ist bei der weiteren Gestaltung der Dienste zu berücksichtigen.

Übliche Fitnesskritierien kommen aus den Bereichen:


Unklar ist oft, was die tatsächliche Fitnesskriterien (von denen oftmals viel zu viele forzufinden sind) sind und wie diese sinnvoll handzuhaben wären? Die Methode F4P stellt vier Arten an Kriteriengruppen dar:

Einerseits sind nur wenige Kritierientatsächliche KPIs,
welche es wert sind, als solche gestaltet zu werden und an deren Erreichung wesentliche Rückschlüsse zu
ziehen. Andererseits offeriert uns F4P drei zusätzliche
Arten. Beginnen wir mit den´Gesundheitsindikatoren´ zur Beobachtung essentiell wichtiger Werte wie bspw. Durchlaufzeiten, Gewinn, Marktdurchdringung usw.

Darauf folgen ´Verbesserungstreiber´. Darunter werden einige ganz wenige Facetten verstanden, die es unbedingt zu verändern gilt. Sind diese ausreichend durchgeführt, kann der Wert in die Gruppe der Gesundheitsindikatoren (zurück) übersiedeln. Letztendlich gibt es noch die ´Wohlfühlmetriken´. Das sind Messungen von Werten, die nur das Ego befriedigen, aber ansonsten keinen wesentlichen Mehrwert für das Unter-nehmen beisteuern.

ANWENDUNGEN VON F4P FÜR KANBAN

Wenn wir die Ausrichtungen von F4P zusammenfassen, sind das folgende Bereiche:


a) Die drei Komponenten
b) Finden des Zwecks
c) Evaluieren des Zwecks
d) Nachjustieren des Zwecks
e) Gruppen an Kritierien
f) Qualität der Kriterien

ad a.1) Nr. 1: Zuweisung von zwei Komponenten bei STATIK

 Die Komponenten ´Design´und ´Implementierung´ finden sich recht einfach in der systematischen Erstellprozedur von Kanbansystemen namens STATIK wieder.

Wenn wir die Zusatzdefinition im unteren lila Quadrat rechts oben berücksichtigen, haben wir auf eine sehr elegante Art alle potentiellen Ebenen an Hierarchien oder Entscheidungsverantwortlichkeiten integriert. Auf der Ebene von querfunktionalen Teams wird eher selten über die strategische Bedeutung nachgedacht.

ad a.2) Nr. 2: Zuweisung der dritten Komponente bei STATIK und in den Rückschauen

Diese Ausrichtung an der Akzeptanz des Kunden ist Teil der ´Design-´ als auch der ´Implementierungskomponente´ in den Schritten 7 und 8 von STATIK und dehnt sich naturgemäss auf die entsprechenden Kadenzen aus.



ad b & c & d & f) 

Diese Aufgabe wird durch die Fragestellung in der Anforderung der Arbeit erledigt und kann durch die Informationen beim Kunden und/oder den Evaluierungen durch die F4P-Karten gewonnen werden. Ebenso ist die ständige Beobachtung durch die Tätigkeiten aus Punkt a.2) erfüllt.

ad e)

Die erforderlichen Metriken sind ein Resultat aus obenstehender Evaluierung bzw. Anforderung des Unternehmens oder Kundenwunsch. In der nachstehenden Tabelle sind die Inhalte der Standardmetriken aus dem Kanban Systemdesign-Training angewendet. Sinngemäss ist dieser Ansatz für weitere Messkriterien umzulegen.

Abschliessend sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt (ohne dabei in die Tiefe zu gehen): die Beschäftigung mit diesen Potentialen bedeutet die Anwendung ab ´Ebene 3 | Zweckdienlich´ des Kanban Reifegradmodells.

 

STRUKTUR und FOKUS von OBM

Was menschliches Verhalten mit der Gestaltung von Kriterien aller Art zu tun hat, adressiert das organisatorische Verhaltensmanagement (OBM).

Oben ausführlich dargestellte Kriterien sind wichtige Teile von Vereinbarungen. Die daraus geschaffenen Key Performance Indicators (KPIs, Leistungsindikatoren) haben einen starken Einfluss auf das Verhalten der Personen, die diesen Vereinbarungen unterliegen. Der Grund dafür liegt in den – meist negativen – persönlichen Konsequenzen, die zu folgen drohen, wenn jemand bei den KPIs nicht gut abschneidet. Die KPIs schaffen eine Form der Bedrohung für die Ausführenden: Die Ziele müssen erreicht werden, sonst ...!


Als Reaktion auf diese Art der Bedrohung sehen wir oft sehr kreative Wege, mit KPIs umzugehen. Zum Beispiel werden Anrufe im System mit einem bestimmten Status versehen, wodurch diese in den KPI-Berichten nicht berücksichtigt werden. Dadurch sehen die Werte der KPIs besser aus als sie tatsächlich sind. Das geht fast immer nach hinten los, weil der Kunde den Service ganz anders (weniger positiv) erlebt hat als die KPI-Berichte suggerieren. Solche Methoden sollten so weit wie möglich vermieden werden.


Die KPIs steuern das Verhalten zu einem grossen Teil aufgrund der persönlichen Konsequenzen, die vom KPI-Wert abhängen. Im Extremfall werden bestimmte erwünschte Verhaltensweisen nicht mehr gezeigt, weil es keine positiven persönlichen Konsequenzen gibt, die davon abhängen.


In anderen Fällen konzentrieren sich die Mitarbeiter extrem auf ihre persönlichen KPIs. Auch wenn dies auf Kosten der Ende-zu-Ende-Zusammenarbeit und des Kundendiensten geht. Früher oder später führt dieses Verhalten zu sogenannten ´Silos´: Abteilungen, Teams, die sich ausschliesslich auf ihre eigenen Ziele, Aufgaben und Verantwortlichkeiten konzentrieren.


Sie erhalten genau die Verhaltensweisen, um die Sie gebeten haben. Es sind vielleicht nicht die Verhaltensweisen, die Sie sich wünschen. Aber es sind die, worum Sie (unbewusst) gebeten haben. Sie haben vor allem wegen der KPIs, die Sie ausgewählt haben, und der Konsequenzen, die Sie von der KPI-Wertung abhängig gemacht haben, um diese Verhaltensweisen gebeten.


Leider ist bei gutem Abschneiden bei den KPIs nur sehr selten Anerkennung und Wertschätzung als Konsequenz zu beobachten. Ein gutes Abschneiden verhindert oder vermeidet hauptsächlich die Auferlegung negativer Konsequenzen durch das höhere Management. In vielen Organisationen werden Dinge, die gut laufen, wenig oder gar nicht beachtet. Das Management nimmt manchmal Dinge, die gut laufen, als selbstverständlich hin.

Quelle: OBM Dynamics, übersetzt durch Viable Projects GmbH

ANWENDUNGEN VON OBM


Wenn Sie mehr darüber erfahren und lernen wollen, wie Sie Menschen systematisch mit einem passenden Umfeld ausstatten können, um gewünschte Verhalten eingesetzt zu sehen, lesen Sie das eingangs erwähnte Buch oder kommen noch besser zu einem auf die Praxis ausgerichteten Training.

Die Grundsätze der zu berücksichtigenden Hinweise sind schon hier ausreichend behandelt. OBM funktioniert jedenfalls mit jeder anderen Methode perfekt im Zusammenspiel, wo es sich um Menschen dreht.


STRUKTUR und FOKUS von OKR

Ganz komprimiert gesagt, dienen OKRs der unternehmensweiten Klarheit der Ziele und deren Messung. Damit wird der oftmaligen Abkoppelung sämtlicher Arbeiten unterhalb der strategischen Gestaltungsebene massiv entgegen gewirkt.
Die Wirkung erhöhen zu wollen und damit Verschwendung an Zeit, Geld und Motivation zu reduzieren, ist mehr als valide.
Die nachfolgende Schaubilder geben einen zusammenfassenden Überblick von der Historie bis zur generellen Struktur samt allen Beziehungen:

 
ANWENDUNGEN MIT OKR

Ein wenig mag ich ein Lächeln nicht unterdrücken, da ich viele Jahre den Eindruck gewonnen habe, die Masse der agilen Bewegung sei total gegen Ziele und jetzt hat OKR auf einmal den Nimbus einer agilen Methode mit enormen Zuspruch.
Für mich ist es schon immer nur die Frage gewesen, wie Ziele entstehen, wer dabei eingebunden ist und wie starr diese gehandhabt werden.
Jeder erfahrene Mensch weiss ganz genau, was Ziele für eine steigernde Wirkung auf die Ergebnisse als Orientierung haben können.
Damit zurück zu den OKRs. Wir haben nun viele ausgereifte Ausführungen vorliegen. Die nachstehenden Fragen drängen sich auf:

a) Was bringt F4P für OKR und umgekehrt?
b) OKR klappen am Markt besonders im Zusammenspiel womit und warum?

ad a) Im F4P-Buch, aus den Trainings und Postern sind die nachgelisteten Informationen zusammen getragen:



ad b) Auf der einen Seite erlebe ich viele Anwendungen von OKRs mit teambasierten Strukturen. Dadurch entsteht auch sehr oft ein Zusammenspiel mit Scrum.
In der Kanban-Welt höre ich auch von anerkannten Spezialisten tw. verächtliche Aussagen und/oder nicht wahrnehmbares Verständnis des Mehrwerts.
Anderseits entdecke ich immer mehr Events, wo über kleinere und grössere Anwendungen auch in der Kanban-Welt berichtet wird. Dies sind sowohl Abbildungen der OKR-Arbeit in den Kanbansystemen als auch Rahmen in Unternehmen mit eingebetteten Was-auch-immer-Methoden.
Ebenso werden Einsätze gepostet, wo die ´Objectives´von OKR auf den höchsten strategischen Ebenen eingebracht werden, was sich in Portfolio-Kanbansystemen niederschlägt und somit zu den einzelnen Services herunter dekliniert wird.




Abrundend biete ich noch die adaptive Organisation:


ZUSAMMENFASSUNG UND ABSCHLUSS

F4P, OBM und OKR machen Sinn und fördern die Effektivität der einsetzenden Entitäten.

Diese Abhandlung ist eine sehr umfassende Ausführung mit vielen praktischen Tipps basierend auf einer Sicht auf das gesamte Unternehmenssystem.
Der ´Mehraufwand´ beim Umsetzen besteht hauptsächlich im Denken und einmaligem Aufbau von Strukturen sowie Vorlagen. Dann ist sowohl der Aufwand jedesmal geringer als auch die Chancen für die Wirkung höher. Nebstbei hebt der gewonnene Sinn die Motivation.

KONTAKT
Dieter Strasser, MSc, CMC, Geschäftsführer Viable Projects GmbH